Deutsche Welle, 31. Januar 2009

Studentenkabarett in Cottbus

Kreativität, das ist eine Fähigkeit, die in vielen Berufen gefragt ist. Im Studium kommt sie allerdings oft zu kurz. Deshalb suchen sich viele Studenten neben ihrem Studium eine kreative Freizeitbeschäftigung. Manche machen Musik, manche spielen Theater - und einige machen Kabarett.

Jedes Jahr im Januar treffen sich studentische Kabarettgruppen aus Deutschland und dem benachbarten Ausland an der Technischen Universität TU Cottbus. In diesem Jahr waren 25 Gruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei dem von dem Studentenwerk und dem Studierendenrat der Hochschule organisierten Kabaretttreffen Einfälle. Wolfgang Lenders war dort.

O-Ton mit Atmo: (Dialog auf der Bühne, 17 Sekunden): Der Naturwissenschaftler löst Probleme. - Der Geisteswissenschaftler sucht sich ein Problem. Besser gesagt, er macht eins. - Er ist eins. [Gelächter] - Mein geisteswissenschaftliches Studium qualifiziert mich zur Langzeitarbeitslosigkeit. [Gelächter] ausblenden

Der Streit zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern ist eines der Themen der Kabarettgruppe Mehrtuerer der Technischen Universität Chemnitz. Die Studenten waren zum ersten Mal in Cottbus dabei. Zum Programm der Gruppe gehören aktuelle politische Themen wie die Weltwirtschaftskrise. Aber auch Themen, die speziell Studenten interessieren. Dazu gehören soziale Netzwerke wie Facebook oder das in Deutschland sehr beliebte Studi-VZ, sagt die Leiterin der Gruppe, Claudia Emmer.

O-Ton (9 Sekunden): Typisch studentisches Thema, was jeder Student kennt, wir haben eine Hommage an Studi-VZ gemacht und da eben geht es um Bewerbungsgespräche und um Datenschutz.

O-Ton mit Atmo (Dialog auf der Bühne, 22 Sekunden): Wo haben Sie denn diese Fotos her? - Auch sehr lustig. - Das ist nicht so, wie das jetzt hier auf den Fotos aussieht, ja. - Jaja, Herr Schindelmann, die meisten unserer Bewerber versuchen sich irgendwie aus dieser Situation herauszuwinden, aber das Studi-VZ hat uns bereits ausreichend über ihre Gruppenzugehörigkeit, über ihr Privatleben und ihre sexuelle Orientierung aufgeklärt.

In ihren Texten verarbeiten die Studenten oft ihre eigenen Erfahrungen. Nicht alle Programme sind schon voll ausgereift, aber dabei soll ihnen das jährliche Treffen an der TU Cottbus helfen, sagt Organisator Andreas Gaber.

O-Ton (18 Sekunden): Das ganze soll ein Treffpunkt, ne Plattform, für Studenten sein, die sich diesem Genré verschrieben haben, mit Leidenschaft, in welcher Qualität aber auch immer, die sollen hier die Möglichkeit haben, zusammen zu kommen, sich zu sehen, sich kennenzulernen, sich auszutauschen und natürlich auch sich irgendwo zu vernetzen. Und das Publikum darf quasi dabei sein.

Vor 14 Jahren haben sich die Studentenkabaretts zum ersten Mal in Cottbus getroffen. Seitdem ist die Rostocker Gruppe Rohrstock dabei. Natürlich in wechselnder Besetzung, und jedes Jahr mit neuen Texten. Das aktuelle Programm der Gruppe heißt Tschüssi Deutschland. Jennifer Handtrag spielt mit.

O-Ton (14 Sekunden): Unser Programm befasst sich mit der Abwanderung der Deutschen aus Deutschland raus. Grund ist halt der Arbeitsplatzmangel und vielleicht auch das Problem halt, dass die politische Situation in Deutschland nicht mehr ganz so schön ist, angenehm ist für die Deutschen, deswegen gehen halt ganz viele aus dem Land raus.

O-Ton mit Atmo (21 Sekunden): Frau: Und den Chefs im Ausland kann man mal so richtig die Meinung sagen. Die verstehen einen ja nicht. [Gelächter] Mann: Muttern und Vattern sind ja nun schon vor nem halben Jahr weg. Irgendwann muss die Wäsche ja mal gewaschen werden. [Gelächter] ausblenden

Wer sich ganz dem Kabarett verschrieben hat, bei dem gerät das Studium schon mal ins Hintertreffen. So wie bei Martin Berkel von der Chemnitzer Gruppe Mehrtuerer.

O-Ton (5 Sekunden): Ich hab das Studium schon manchmal schleifen lassen fürs Kabarett. Aber, ich bin damit ganz gut gefahren. Ich glaub, die anderen auch.

Martin Berkel würde inzwischen gerne als professioneller Kabarettist auftreten. Er hofft, dass beim Kabaratttreffen vielleicht jemand im Publikum war, der ihn als zukünftigen Star entdeckt hat.

O-Ton (8 Sekunden): Ich bin eitel genug, um das zu hoffen, ja. Aber ich weiß nicht, wie es die anderen sehen. Die lachen alle, also ich glaub, denen geht's ganz ähnlich. Also, man hofft natürlich, dass das auch irgendwo nen Sprungbrett ist.